Personal suchen, wenn der Jahreswechsel naht: Was die Zahlen der Agentur für Arbeit Leipzig über das Fenster von November bis Januar zeigen, wie Kündigungsfristen den Kalender bestimmen und was bis Mitte November stehen muss.
Wer erfahrene Fachkräfte sucht, sollte Personal suchen, bevor das Jahr endet, nicht erst im Frühjahr. Zum Jahresende laufen viele befristete Verträge aus, im Januar kommen in Leipzig die meisten Arbeitslosmeldungen direkt aus einer Beschäftigung, und wer mit einer Frist zum Quartalsende zum 1. April wechseln will, muss bis zum 31. Dezember kündigen. Die Kampagne muss deshalb Mitte November stehen.
Personal suchen ist in den meisten Betrieben eine Reaktion: Jemand kündigt, die Stelle wird ausgeschrieben, und dann beginnt das Warten. Fällt die Kündigung in den Herbst, landet die Anzeige oft erst im Januar oder Februar im Netz, weil vorher noch das Jahresgeschäft, die Weihnachtsfeier und der Urlaub dazwischenliegen. Genau das ist bei erfahrenen Fachkräften der ungünstigste Ablauf.
Dieser Beitrag zeigt mit den Zahlen der Agentur für Arbeit Leipzig, warum die Wochen von Mitte November bis Ende Januar für die Personalsuche mehr bewegen als jede andere Zeit im Jahr. Er rechnet den Kalender anhand üblicher Kündigungsfristen rückwärts und nennt, was ein kleiner Betrieb bis Mitte November vorbereitet haben sollte. Die Leipziger Daten sind dabei ein Beleg für ein Muster, das bundesweit genauso auftritt.
Personal suchen im vierten Quartal: was die Leipziger Zahlen zeigen
Im Januar 2026 meldeten sich im Bezirk der Agentur für Arbeit Leipzig 3.397 Menschen direkt aus einer Beschäftigung arbeitslos, mehr als im August oder September. Gleichzeitig wurden mit 973 so wenige neue Stellen gemeldet wie in keinem der beiden Vergleichsmonate. Wer im Januar sucht, konkurriert also mit weniger Betrieben um mehr Menschen.
Die Agentur für Arbeit Leipzig veröffentlicht jeden Monat dieselben Kennzahlen. Für die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt sind drei davon aufschlussreich: wie viele Menschen sich direkt aus einer Beschäftigung arbeitslos melden, wie viele eine neue Arbeit aufnehmen und wie viele Stellen Unternehmen neu melden. Die Werte stammen aus den Pressemitteilungen für Januar 2026, August 2026 und September 2026, am 20.10.2026 abgerufen:
| Bezirk Agentur für Arbeit Leipzig | Januar 2026 | August 2026 | September 2026 |
|---|
| Arbeitslosmeldungen direkt aus Beschäftigung | 3.397 | 3.021 | 3.111 |
| Abmeldungen in eine neue Beschäftigung | 1.914 | 2.302 | 3.042 |
| Neu gemeldete Stellen | 973 | 1.067 | 1.310 |
| Meldungen aus Beschäftigung je neuer Stelle (eigene Rechnung) | 3,5 | 2,8 | 2,4 |
| Arbeitslosenquote | 9,0 % | 9,3 % | 9,2 % |
Die letzte Zeile ist eine eigene Rechnung und keine amtliche Kennzahl. Sie zeigt trotzdem die Richtung: Im Januar standen jeder neu gemeldeten Stelle rechnerisch dreieinhalb Menschen gegenüber, die gerade aus einer Beschäftigung kamen, im September knapp zweieinhalb. Steffen Leonhardi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, nannte die Entwicklung im Januar „überwiegend saisonal bedingt“.
Was die Statistik nicht zeigt
Die Arbeitsagentur zählt nur, wer sich arbeitslos oder arbeitsuchend meldet. Wer aus einer ungekündigten Stelle heraus wechselt, taucht in keiner dieser Zahlen auf, und genau das ist die größere Gruppe unter den erfahrenen Fachkräften. Die Zahlen beschreiben also den sichtbaren Teil der Bewegung zum Jahreswechsel. Für den unsichtbaren Teil gelten dieselben Kalendergründe, die der nächste Abschnitt aufschlüsselt.
Warum gerade November bis Januar: drei Gründe
Drei Mechanismen bündeln Wechsel am Jahresende: Befristete Verträge laufen zum 31. Dezember aus, Kündigungsfristen zum Quartalsende zwingen zur Entscheidung bis Ende Dezember, und im Januar melden Betriebe weniger neue Stellen. Wer in diesen Wochen sichtbar ist, trifft auf mehr Wechselbereite und auf weniger Konkurrenz.
Grund 1: Befristungen enden zum Jahresende
Die Agentur für Arbeit Leipzig schreibt in ihrer Pressemitteilung vom 14.09.2026 ausdrücklich, dass zum Jahresende traditionell viele befristete Arbeitsverträge auslaufen. Wer weiß, dass sein Vertrag am 31. Dezember endet, muss sich spätestens drei Monate vorher arbeitsuchend melden, also bis Ende September. Diese Menschen suchen ab Oktober aktiv, und viele von ihnen wollen im Januar nahtlos weiterarbeiten. Ein Betrieb, der erst im Februar ausschreibt, kommt für sie zu spät.
Grund 2: Kündigungsfristen zwingen zur Entscheidung im Dezember
Viele Arbeitsverträge im Mittelstand sehen Kündigungsfristen zum Monats- oder Quartalsende vor. Wer mit drei Monaten zum Quartalsende zum 1. April wechseln will, muss bis zum 31. Dezember kündigen. Dafür braucht er die Zusage des neuen Betriebs vorher, realistisch also Anfang bis Mitte Dezember. Die Entscheidung für einen Wechsel fällt damit im November, und dann muss die Anzeige schon laufen.
Grund 3: Im Januar suchen weniger Betriebe sichtbar
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist ohnehin gesunken. Laut IAB-Stellenerhebung vom 03.09.2026 gab es im zweiten Quartal 2026 bundesweit rund eine Million offene Stellen, 820.400 im Westen und 203.000 im Osten. IAB-Forscher Alexander Kubis ordnet ein, die Nachfrage habe mit Ausnahme der Corona-Lockdowns seit 2016 nicht mehr so niedrig gelegen. Auf 100 offene Stellen kamen 291 Arbeitslose. Für einen Betrieb, der tatsächlich sucht, ist das eine seltene Lage: weniger Mitbewerber um die Aufmerksamkeit derselben Fachkräfte, und im Januar noch einmal weniger als im Herbst.
Bundesweit ist das Muster dasselbe. Laut Bundesagentur für Arbeit (Presseinfo Nr. 5 vom 30.01.2026) stieg die Arbeitslosigkeit im Januar 2026 aufgrund der Winterpause um 177.000 auf 3.085.000, saisonbereinigt blieb sie unverändert. Der Anstieg ist also kein Krisensignal, sondern der jährliche Jahreswechsel, und damit planbar.
Den Kalender rückwärts rechnen: wann die Anzeige laufen muss
Der erste Arbeitstag einer neuen Fachkraft hängt an ihrer Kündigungsfrist und am Tag, an dem die Kündigung zugeht. Wer die Frist zum Quartalsende um einen Tag verpasst, verliert ein ganzes Quartal. Deshalb muss die Zusage vor Weihnachten stehen und die Anzeige spätestens Mitte November laufen.
Die gesetzliche Grundfrist steht in § 622 Absatz 1 BGB: vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats. Arbeits- und Tarifverträge sehen häufig längere Fristen vor. Die folgende Tabelle vergleicht, wann jemand frühestens anfangen kann, je nachdem, ob die Kündigung am 31. Dezember oder erst am 2. Januar zugeht. Sie ist eine vereinfachte Rechnung und ersetzt keine Prüfung des konkreten Vertrags:
| Kündigungsfrist im alten Vertrag | Kündigung geht am 31.12. zu | Kündigung geht am 02.01. zu |
|---|
| Vier Wochen zum 15. oder Monatsende | Start 1. Februar | Start 1. Februar |
| Ein Monat zum Monatsende | Start 1. Februar | Start 1. März |
| Drei Monate zum Monatsende | Start 1. April | Start 1. Mai |
| Drei Monate zum Quartalsende | Start 1. April | Start 1. Juli |
| Sechs Monate zum Quartalsende | Start 1. Juli | Start 1. Oktober |
Rechnet man von der Zusage aus weiter zurück, ergibt sich der Plan: Zwei bis drei Wochen braucht es erfahrungsgemäß vom ersten Kontakt über das Gespräch bis zur schriftlichen Zusage. Vor dem ersten Kontakt liegt die Zeit, in der jemand die Anzeige überhaupt sieht und sich zu einer Bewerbung durchringt. Wer am 31. Dezember eine Kündigung einreichen soll, muss die Stelle also spätestens in der zweiten Novemberhälfte gesehen haben.
Die Lücke zwischen den Jahren
Zwischen Weihnachten und Neujahr haben viele Beschäftigte frei und denken über das kommende Jahr nach. Genau in diesen Tagen ist in vielen Betrieben niemand erreichbar, der auf eine Bewerbung antwortet. Eine Anzeige, die in diesen Tagen läuft, braucht deshalb eine Person, die bis zum 2. Januar zurückruft. Sonst wird aus dem stärksten Zeitfenster eine Liste unbeantworteter Nachrichten.
Was bis Mitte November stehen muss
Bis Mitte November braucht ein Betrieb vier Dinge: eine Stellenseite, die die Fragen von Wechselbereiten beantwortet, Material, das den Arbeitsalltag zeigt, eine Anzeigenkampagne, die auch Menschen erreicht, die nicht aktiv suchen, und eine Person, die innerhalb von zwei Werktagen antwortet. Fehlt eines davon, verpufft das Fenster.
- Eine Stellenseite mit Antworten statt Aufzählungen. Wer aus einem sicheren Job wechseln soll, fragt nach Auftragslage, Team und Arbeitszeiten, nicht nach dem Obstkorb. Was Fachleute im Handwerk konkret abwägen, haben wir im Beitrag zum Mitarbeiter finden im Handwerk in Sachsen beschrieben.
- Material aus dem echten Betrieb. Ein Drehtag im Oktober oder Anfang November liefert Clips für die ganze Kampagne. Im Dezember scheitert ein Dreh in Betrieben regelmäßig an Urlaub, Jahresabschluss und Weihnachtsfeiern.
- Eine Kampagne, die auch passiv Suchende erreicht. Stellenportale erreichen nur, wer aktiv sucht. Anzeigen in sozialen Netzwerken erreichen auch die, die erst beim Scrollen merken, dass sie wechseln wollen. Wie man eine solche Kampagne aufbaut, steht in unserem Beitrag zur Meta-Ads-Kampagnenstruktur für die ersten 30 Tage, welche Plattform zu welcher Zielgruppe passt, im Vergleich Google Ads oder Meta Ads.
- Ein kurzes Formular und eine schnelle Antwort. Name, Telefonnummer, Beruf, frühester Starttermin. Lebenslauf und Zeugnisse kommen im Gespräch. Wer zwei Wochen nicht antwortet, verliert die Kandidaten an den Betrieb, der am selben Tag zurückruft.
Aus unserer Praxis: Bei Recruiting-Kampagnen vergehen vom Drehtag bis zur ersten geschalteten Anzeige in der Regel zwei bis drei Wochen, weil Schnitt, Freigabe, Untertitel und die Einrichtung der Kampagne nacheinander laufen. Wer Mitte November live sein will, dreht deshalb spätestens Ende Oktober. Den häufigsten Verzug sehen wir nicht im Schnitt, sondern in der Freigabe: Wenn die Geschäftsführung die Clips erst nach zwei Wochen ansieht, rutscht der Start in den Dezember. Ein fester Freigabetermin direkt nach dem Dreh spart genau diese Zeit. Wie sich aus einem solchen Drehtag Material für ein ganzes Jahr ergibt, zeigt unser Beitrag zum Video-Marketing für Pflegedienste im Recruiting.
Wie wir Video und Anzeigenschaltung für Recruiting-Kampagnen verbinden, vom Dreh bis zum Formular, steht auf der Seite zur Video-Ads-Produktion und Lead-Generierung.
Wann das Fenster nicht das richtige ist
Das Fenster von November bis Januar gilt für erfahrene Fachkräfte mit Kündigungsfrist. Für Auszubildende beginnt die Suche im Oktober des Vorjahres, für Saisonbetriebe zählt der Saisonstart, und wer eine Stelle in zwei Wochen besetzen muss, braucht andere Wege als eine Kampagne.
Auszubildende: Das Berichtsjahr der Bundesagentur für Arbeit für den Ausbildungsmarkt beginnt im Oktober. Wer im Januar mit der Azubi-Suche anfängt, ist spät dran. Den Ablauf dafür beschreibt unser Beitrag zum Azubis gewinnen und Ausbildungsplätze besetzen.
Saisonbetriebe: Gastronomie mit Sommergeschäft, Garten- und Landschaftsbau oder Betriebe, die im Winter ruhen, suchen für den Saisonstart. Für sie liegt das Fenster eher im Februar und März, wenn die Saisonkräfte aus dem Vorjahr ihre Pläne machen.
Akuter Ausfall: Wer eine Stelle in zwei Wochen besetzen muss, erreicht über eine Kampagne kaum jemanden, der so schnell verfügbar ist. Hier helfen der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, Zeitarbeit oder Empfehlungen aus der Belegschaft. Die Kampagne im November ist dann der zweite Schritt, damit sich die Lage im nächsten Jahr nicht wiederholt.
Häufige Fragen zur Personalsuche zum Jahreswechsel
Die häufigsten Fragen betreffen den besten Zeitpunkt, Anzeigen im Dezember, den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar, die Dauer bis zum ersten Arbeitstag, kurzfristige Wege und Kampagnen zwischen den Jahren. Die Antworten gelten für kleine und mittlere Betriebe.
Wann ist der beste Zeitpunkt, um Personal zu suchen?
Für erfahrene Fachkräfte das Fenster von November bis Januar. Zum Jahresende laufen viele befristete Verträge aus, im Januar melden sich die meisten Menschen direkt aus einer Beschäftigung arbeitslos, und wer zum 1. April wechseln will, muss bei einer Frist zum Quartalsende bis Ende Dezember kündigen. Für Auszubildende gilt ein anderer Kalender, dort beginnt die Suche im Oktober des Vorjahres.
Lohnt es sich, im Dezember eine Stellenanzeige zu schalten?
Ja, wenn die Anzeige schon Anfang Dezember läuft und jemand zwischen den Jahren auf Bewerbungen antwortet. Die zweite Dezemberhälfte allein ist zu kurz, weil Gespräche dann erst im Januar stattfinden. Wer im Dezember zu- und absagen kann, erreicht Kandidaten, die noch vor dem 31. Dezember kündigen müssen.
Warum steigt die Arbeitslosigkeit im Januar?
Vor allem aus jahreszeitlichen Gründen. Zum Jahresende enden viele befristete Verträge, und in Außenberufen ruht die Arbeit im Winter. Bundesweit stieg die Arbeitslosigkeit im Januar 2026 laut Bundesagentur für Arbeit um 177.000, im Bezirk der Agentur für Arbeit Leipzig um 1.981 Personen gegenüber Dezember.
Wie lange dauert es, bis eine neue Fachkraft anfangen kann?
Das hängt an der Kündigungsfrist im alten Vertrag. Die gesetzliche Grundfrist beträgt vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Monatsende, viele Arbeitsverträge sehen aber drei Monate oder Fristen zum Quartalsende vor. Zusammen mit zwei bis vier Wochen für Gespräche und Zusage liegen zwischen Anzeige und erstem Arbeitstag oft zwei bis vier Monate.
Wo finden kleine Betriebe kurzfristig Personal?
Über den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, über Empfehlungen aus der eigenen Belegschaft und über bezahlte Anzeigen in sozialen Netzwerken, die auch Menschen erreichen, die gerade nicht aktiv suchen. Kurzfristig heißt dabei selten unter vier Wochen, weil fast jede Fachkraft erst ihre Kündigungsfrist abwarten muss.
Was bringt eine Recruiting-Kampagne zwischen den Jahren?
Zwischen Weihnachten und Neujahr haben viele Beschäftigte frei und Zeit, über ihre Arbeit nachzudenken. Eine Kampagne, die in diesen Tagen sichtbar ist und ein kurzes Formular statt einer vollständigen Bewerbung verlangt, trifft auf Menschen, die genau dann den ersten Schritt machen. Voraussetzung ist, dass im Januar sofort zurückgerufen wird.
Was wir daraus mitnehmen
Personal suchen lohnt sich für erfahrene Fachkräfte am meisten zwischen Mitte November und Ende Januar. Die Leipziger Zahlen zeigen im Januar die meisten Wechsel aus Beschäftigung bei den wenigsten neuen Stellen. Wer dann sichtbar sein will, dreht im Oktober, startet die Kampagne Mitte November und antwortet zwischen den Jahren.
Die Kurzfassung für Ihren Kalender: Ende Oktober drehen, Mitte November live gehen, Zusagen vor Weihnachten geben, zwischen den Jahren erreichbar bleiben und im Januar nachlegen, wenn die Arbeitslosmeldungen aus Beschäftigung ihren Höchststand erreichen. Wer erst im Februar ausschreibt, verhandelt mit Kandidaten, deren Kündigungsfrist den Start bis in den Sommer schiebt.
Wenn Sie wissen wollen, ob Ihre offene Stelle noch in dieses Fenster passt, schicken Sie uns die Stellenbeschreibung und den gewünschten Starttermin. Im Erstgespräch rechnen wir den Kalender mit Ihnen rückwärts und legen fest, was bis Mitte November stehen muss.
Quelle: https://expertenfilm.de/ki-news/personal-suchen-viertes-quartal